Strandkörper, Dauer-Empörte und freie Marktwirtschaft

  • Ich hatte diesen Artikel bereits letzte Woche schon einmal fast vollständig abgetippt, allerdings ist dieser dann durch eine Mischung aus persönlicher Unfähigkeit und einer beschissenen Software leider im Äther verschwunden, weshalb ich nun das Ganze von vorne beginne. Das ist allerdings nicht nur negativ - die erste Version gefiel mir bei genauerer Betrachtung dann auch nicht mehr so gut. Glück im Unglück, wenn man so will. Doch kommen wir zum eigentlichen Thema.

     

    #Beachbodyready

    Wer sich ein wenig im englischsprachigen Web bewegt, ist zweifelsohne über das Hashtag #Beachbodyready und den Shitstorm, den es ausgelöst hat, gestolpert. Die Kurzfassung der Geschichte sieht folgendermaßen aus:

    • Junge Supplement- und Proteinfirma "Protein World" aus UK startet Sommer-Kampagne "Are You Beach Body Ready?"
    • Plakate mit schlankem, attraktivem Model werden in der Londoner U-Bahn und anderen, vielfrequentierten Plätzen aufgehangen
    • Feministinnen und andere, professionelle "Social Justice Warriors" fühlen sich von der Kampagne diskriminiert und sind natürlich "offended"
    • Anstatt sich einer sachlichen Diskussion zu Schönheitsidealen, Übergewicht und den resultierenden Gesundheitsschäden zu stellen, starten diese Indignados einen Shitstorm sondergleichen auf Twitter und Co. und eröffnen sogar eine Petition bei Change.org, die zum jetzigen Zeitpunkt (Montagmorgen) bereits über 70.000 Unterzeichner_Innen (schreibt man das so?) hat.
    • Protein World legt nach und erreicht damit das genaue Gegenteil von dem, was die Dauer-Empörten ursprünglich wollten.
    • Advertising "Watchdogs" schalten sich ein und "verbieten" (auf welcher gesetzlichen Grundlage?) die Plakate.

     

    So weit, so absurd. Interessant (besonders aus Marketing-Sicht) wird es erst bei der Reaktion der Verantwortlichen und dem daraus resultierenden Erfolg. Anstatt nämlich, wie vermutlich 95% von Euch es getan hätten, klein beizugeben, hat man sich dazu entschlossen, literweise (Frittier-)Öl ins bereits ansehnliche Feuer zu gießen.

     

    Während die meisten Advertiser hier einen Rückzieher bevozugt hätten, sah Protein World die Chance, ein Statement zu machen - gegen die immer weiter um sich greifende Political Correctness und die Tendenz moderner "Social Justice Warriors", jegliche Fakten und große Teile der Realität als solcher auszublenden, solange es der eigenen Agenda hilft - oder einen davor bewahrt, beim Blick in den Spiegel Wut auf seine eigene Faulheit zu empfinden. Es hat nämlich nichts mit natürlicher Ästhetik oder gesundheitlichen Idealen zu tun, dass schlanke, attraktive Frauen lieber gesehen werden (von Männern UND Frauen), als übergewichtige, rotgefärbte Hot-Topic-Models - nein, das ist alles nur eine Verschwörung des Patriarchats und der bösen, bösen Kosmetik- und Fitness-Industrie. Ja nee, is klar.

     Schönheitsideal?

    Bei Protein World war man daher zu Recht der Meinung, dass es Zeit ist, dass irgendwer diesen Damen (und einigen White Knights) mal zeigt, dass nicht der (die?) Recht hat, der am lautesten schreit - oder die meisten Plakate verunstaltet (entweder mit Stiften, Spraydosen oder, am schlimmsten, indem man selber leicht bekleidet davor posiert). Und so startete man eine Gegenoffensive - die innerhalb weniger Tage zu einer der erfolgreichsten Werbekampagnen (bezogen auf Neukunden und ROI) mutierte, die ich persönlich je gesehen habe. Laut einem sehr lesenwerten Artikel auf Breitbart.com (uh, böse Rechtspopulisten) sind dort nämlich innerhalb von vier Tagen aus £250.000 Kampagnenbudget über £1 Millionen Umsatz und über 20.000 neue Kunden geworden. Head of Global Marketing, Richard Staveley, sagte im Interview (Übers. von mir):

     

     

    "Wir haben klar Stellung bezogen. Jeder findet es wunderbar, dass endlich mal jemand gegen diesen Bullshit etwas unternimmt."

     

    Auf die unglaubliche Reaktion des Netzes angesprochen ergänzt er:

     

    "Es wird von Tag zu Tag größer, aber die letzten 24 waren echt unglaublich, niemand hätte das vorhersehen können, das ganze Theater mit TV, Radio, Online - es hat jegliche Skala gesprengt."

     

    Das Traurige Ende

    Wie man sich in der heutigen Zeit schon fast hätte denken können, war die ganze Geschichte zu schön, um wahr zu sein. Wie oben bereits erwähnt, haben sich die "Advertising Watchdogs" von der ASA eingeschaltet und dafür gesorgt, dass die Plakate mittlerweile verschwunden sind. Und anstatt sich über diese abartige Einschränkung der freien Marktwirtschaft und Meinungsäußerung zu echauffieren, hat man es in den deutschen Qualitätsmedien entweder völlig verpasst, überhaupt zu berichten, oder nur ein paar sehr einseitige Sätze hingeklatscht. Auch in dem kurzen Artikel bei Spiegel Online findet man kein schlechtes Wort über das Verhalten der Protestler, kein Kommentar zu den zerstörten Plakaten, dem Vandalismus oder gar der Bombendrohung (ja, richtig gelesen) gegen Protein World. Wird zwar erwähnt, das wars dann aber auch. Zum Abschluss eine Sammlung von Tweets der Kampagnengegner - #everybodyisready - aber keines der Memes der Befürworter (siehe oben).

     

    Fazit

    Auch wenn das Happy End leider ausblieb, so zeigt die Geschichte zumindest eines: es lohnt sich, Stellung zu beziehen, und es lohnt sich noch mehr, diese auch zu halten. Beim kleinsten Anzeichen von Gegenwind einzuknicken, hat noch nie jemanden an die Spitze geführt - im Gegenteil. Die Leute, die dort protestieren sind SOWIESO nicht die Zielgruppe - denen also entgegenzukommen wirkt vielleicht in der Öffentlichkeit "einsichtig", macht aber ökonomisch betrachtet NULL Sinn. Ist so, als ob Burger King sein Angebot ändert, weil Veganer damit drohen, die Kette zu boykottieren.

    Also, solltet Ihr in Zukunft einmal ein Produkt oder eine Diesntleistung bewerben wollen, die der/dem ein oder anderen auf den Schlips treten könnte, zögert nicht - es könnte Eure größte Chance überhaupt sein.

    PS: für diejenigen, die einen britschen Akzent zu schätzen wissen und gerne etwas zu lachen haben möchten, gibt es die ganze Story auch in Videoform von Youtuber "Sargon of Akkad", sehenswert.

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