Absichtlich ignorant? - OVK und das leidige Thema "AdBlocker"

  • Wie es so häufig bei einem meiner Kommentare der Fall ist, lieferte auch für diesen Artikel eine E-Mail von gestern morgen die Vorlage. Der Betreff bei Thunderbird las:

     

    “Erheblicher Schaden für Digitale Wirtschaft”: Adblocker-Rate liegt bei über 20 Prozent"

     

    Es handelte sich um eine Mail von Xing, welche sich wiederum auf eine Pressemitteilung des BVDW vom vorherigen Nachmittag bezog. Dort hatte nämlich der “Onlinevermarkter-Kreis” (OVK) ganz überraschend festgestellt (hahaha), dass mittlerweile durchschnittlich 21,49% aller Werbeeinblendungen durch Plugins wie AdBlock Plus oder AdGuard geblockt werden und so quasi im digitalen Nirvana verschwinden. 

     

    So weit eigentlich nichts neues - allerdings hatte sich bereits Anfang des Monats das Internet Advertising Bureau (IAB, quasi Pendant zum BVDW) mit einer ähnlichen Studie zu Wort gemeldet, derzufolge ca. 15% aller UK-Nutzer ebenfalls einen Adblocker installiert haben.

     

    Kurz gesagt: sowohl hier in DACH als auch im englischsprachigen Raum hat sich an der Entwicklung der letzten Jahre wenig geändert -sowohl in Bezug auf die wachsende Zahl der AdBlock-Nutzer, als auch im Bezug auf die willfährige Ignoranz der “Marketing-Experten”, was die eigentlichen Gründe dahinter angeht.

     

    Ein Zitat wie:

     

    Offensichtlich fehlt bei weiten Teilen der Nutzerschaft immer noch das Bewusstsein für die Bedeutung von Werbung für die Refinanzierung kostenfreier Angebote im Internet.“ (Oliver von Wersch)

     

    strotzt nur so vor Ignoranz und bestätigt, dass Matthias Ehrlich mit seinem Mindset nicht allein zu sein scheint - die Schuld ausgerechnet dem Endverbraucher in die Schuhe zu schieben, scheint offizielle Linie des OVK bzw. BVDW zu sein. Da möchte man glatt antworten:

     

    “Offensichtlich fehlt bei weiten Teilen der Werbetreibenden immer noch das Bewusstsein für die Belästigung durch Werbung und die daraus resultierenden Probleme für die User Experience von Internet-Angeboten.”

     

     

    Die Gründe

     

    Das ganze erinnert mich ein wenig an das “Lügenpresse”-Debakel, bei welchem viele, große Zeitungen und Fernsehsender teilweise heftigste Verluste hinnehmen mussten, da sich nicht unerhebliche Teile des Publikums von der sehr einseitigen Berichterstattung zu den Themen “PeGiDa” und "Ukraine" beleidigt bzw. angegriffen fühlten.

     

    Sind Adblock-User wirklich undankbare Parasiten?

     

    Hier verfährt man ähnlich: nicht etwa die ständig fortschreitende Monetarisierung persönlicher Daten und die ständige Berieselung durch “Brands” stellt ein Problem dar, nein - es ist der uneinsichtige User, dem das “freie Internet” anscheinend völlig egal ist, welcher hier die Schuld trägt.

     

    Ich schlage daher vor, für diese “Gefährder des freien Netzes” schnellstens Umerziehungslager zu errichten, wo vom OVK geschulte “Experten” den Usern beibringen, welche Apps gefälligst auf ihr Smartphone gehören und was mit “Dissidenten” passiert, die nicht “mitspielen” wollen.

     

    Sarkasmus mal beiseite: man kann dieses Verhalten wirklich nur noch “willfährig ignorant” nennen - anstatt endlich einmal etwas zu unternehmen, bestätigt man sich in 2015 per Studie das, was man 2013 bzw. 2010 (siehe hier) schon hätte wissen können - und müssen! Und als ob die Beleidigungen auf der dmexco nicht genug gewesen wären, müssen sich User nun auch noch vorwerfen lassen, dass “freie Internet” zu gefährden.

     

    Es ist jedoch nicht alles verloren - mit jeder Studie, mit jeder Beleidigung des Publikums steigt die Zahl derer, die sich das nicht mehr bieten lassen. War ich vor 2 Jahren noch einer der ganz, ganz wenigen Kritiker solcher Aussagen, finden sich heute die ärgerlichen Kommentare nicht mehr nur unter meinen Artikeln, sondern auch anderswo - wie man schön bei absatzwirtschaft.de sehen kann.

     

    Fazit:

     

    Wenn jemand wie ich, der selbst in der Branche arbeitet, sich bereits "freut", wenn er die steigenden Downloadzahlen von Adblockern liest, weil mir die Ads mittlerweile selbst derartig die "User Experience" versauen, läuft etwas furchtbar schief. Denn eigentlich will ich das genaue Gegenteil - dass Leute gar nicht erst auf die Idee kommen, sich einen Adblocker zu installieren.

     

    Um das jedoch zu erreichen, sollte man tunlichst ALLES unterlassen, was User zum Gegenteil bewegt - und da gehört das pauschale Beleidigen von Millionen von Adblock-Nutzern nun einmal dazu - ganz besonders, wenn es von der selbsternannten "Branchenvertretung" kommt.

     

Kommentare

3 Kommentare
  • Martin Bahls
    Martin Bahls hat doch ein wenig länger gedauert, bis es mal wieder einen beitrag hier gab - aber den kommentar konnte ich mir nicht verkneifen (Y)
    15. Juli 2015
  • Martin Bahls
    Martin Bahls wie seht Ihr das? ist den user die schuld zuschieben wirklich der richtige ansatz?
    15. Juli 2015
  • Alexander Lirby
    Alexander Lirby OK OK der Beitrag ist ja schon etwas älter aber ist ja nach wievor aktuell. Das Problem bei den Adblockern wäre doch relativ einfach erledigt. Nutzt ein User einen Adblocker wird das anzeigen der Webseite unterbunden und darauf hingewiesen das diese Webse...  mehr
    23. Oktober 2015